Herz für bedrohte Tierart –
Janiba restauriert »Biene«

 

Karl Janiba rettet eine 1964er Ape und erfüllt sich damit einen Herzenswunsch. Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Und manche Wünsche gehen in Erfüllung, auch wenn es rund 4 Jahrzehnte dauern soll. Doch der Reihe nach.

Kurze Typenkunde: »Ape« vom italienischen Hersteller Piaggio
Piaggio ist hierzulande bestens durch die Vespa bekannt. Weiters gibt es da aber auch noch die fleißige »Biene« (auf italienisch eben »Ape«), hierzulande meist eher als »Stehzeug« denn als Fahrzeug zu Werbezwecken eingesetzt. Ganz anders in unserem südlichen Nachbarland. Am »Stiefel« wird landauf landab mit der Ape zu Werke gegangen, im wahrsten Sinne des Wortes. Grundsätzlich unterscheiden wir die »frühen« Ausführungen (um eine solche handelt es sich beim hier restaurierten Exemplar), bei denen der Motor im Fahrerhaus unter dem Sitz untergebracht ist und jenen mit Motor unter der Ladefläche.
Daten: Baujahr 1964, 175 ccm Hubraum, ca. 8 PS, Leergewicht ca. 450 kg, Zuladung 500 kg.
Höchstgeschwindigkeit ca. 65 km/h, Beschleunigung »wanderdünenartig« – gemessen an modernen Fahrzeugen.
Komfort? Fehlanzeige. Laut, unbequem, zugig. FahrerInnen sollten schon einiges einstecken können.
Rostvorsorge? Fehlanzeige. Bodenblech, Türen, Falze, allenortens sammelt sich Schmutz, bildet sich Feuchtigkeit und der Rost feiert fröhliche Urständ. Ein reiches Betätigungsfeld für Blechkünstler – sprich Karosseure.
Teileversorgung? Konstruktive Ähnlichkeiten mit der einspurigen »Schwester« Vespa sind gegeben, im Detail passt aber fast kein einziges Teil.
Fahrspaß? Ja! Eindeutig.

Warum eine Ape? Karl Janiba erzählt.
Karl war 14 Jahre alt und mit seinen Eltern auf Italienurlaub. Und das war seinerzeit nicht so alltäglich wie heutzutage. Nein, es war sogar etwas ganz Besonderes. Man könnte es Luxus nennen. Teil dieser Jugenderinnerung: Buntes Treiben in Italien und – ob Melonenverkäufer, Blumenhändler oder Installateur – das Leben der kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden wurde von einem Fahrzeug »bewegt«: Ja, natürlich, der Ape. Jede schaute anders aus, zeichnete sich durch individuelle Aufbauten und Beschriftungen aus, war auf die Bedürfnisse der Besitzer zugeschnitten. Der Urlaub in Italien hinterließ einen bleibenden Eindruck. Rund 40 Jahre später sitzt Karl Janiba im Mai 2015 zum ersten Mal selbst am Steuer seiner eigenen Ape und startet zur ersten Probefahrt in Obertrum-Außerwall. Dazwischen liegen Jahre, in denen immer wieder das Verlangen aufkeimte. Gerade in den letzten Jahren, als Karl und Edeltraud Janiba bereits ihren eigenen Karosserie- und Lackierfachbetrieb leiten, setzt sich mehr und mehr die Idee fest, eine Ape als Fahrzeug für die eigene Firma einzusetzen – klein, wendig, vielseitig, sympathisch – eben so, wie sie die Handwerker damals fuhren, im Urlaub, in Italien. Die Suche nach der geeigneten »Biene« begann. Ein Bekannter machte Janiba letztlich auf ein Inserat in einer Oldtimerzeitschrift aufmerksam. Das war 2010.

 

Die folgenden 5 Jahre hier im Zeitraffer:
• Inserat in einer bekannten Oldtimerzeitschrift
• 2 Stück Ape – beide, wie sich bald herausstellt – in desolatem Zustand, dennoch 1 Stück besser, 1 Stück quasi als Ersatzteilträger
• Kauf der beiden italienischen Fahrzeuge – jene, die letztlich restauriert wird, »arbeitete« in einer italienischen Mühle – über einen Zwischenhändler in Klagenfurt
• Transport per LKW nach Obertrum-Außerwall
• Die Restauration beginnt – und auch das Bewusstsein, wie gut bzw. schlecht der Zustand wirklich ist.
• Teilesuche in Italien, unter anderem auf der »Auto e Moto d’Epoca« in Padua, DER Oldtimermesse in Italien (vergebens übrigens), Reisen bis nach Sizilien folgten, um die Erkenntnis zu gewinnen, dass »Ape« nicht »VESPA« ist und in Italien selbst quasi keine Teile für historische Apes aufzutreiben sind.
• Die Restauration beginnt und wird im eigenen Betrieb immer dann vorangetrieben, wenn Zeit dafür bleibt. Die nötigen Blechteile werden, soweit nicht mehr verwendbar, individuell nachgefertigt.
• Ein Dank sei an eine Gruppe von passionierten Handwerkern gerichtet – Mechaniker, Schlosser, Sattler, Tischler bis hin zum Uhrmacher – allesamt erfahrene, begnadete Meister, ohne die es unmöglich gewesen wäre, die Ape wieder auf die Straße zu bringen.
• Fast 800 Stunden an Restaurationsarbeit (Karosserie-, Lackier- und Mechanikarbeiten), u. a. werden Spiegelhalterungen und diverse Blechteile nachgefertigt …
• »Jede Schraube ein kleiner Kampf«, unter anderem alle Seilzüge individuell angepasst, Bremsbeläge selbst montiert etc.
• Finden des Farbtons: nicht original, dennoch mit viel Liebe ausgesucht, in Anlehnung an den Originalton eines Steyr Babys
• Individueller Aufbau mit eigens angefertigten Kirschholz-Paneelen (die Teile aus einem Stück gearbeitet, mit Bootslack geschützt)
• Aufwändige Teilesuche in Italien und Deutschland
• Restaurierungskosten: bekannt
• Zusammenbau, Fertigstellung, Probefahrt

Dienstag, 5. Mai 2015 – erste Probefahrt nach Fertigstellung
Der große Moment. Nach fast 5 Jahren startet Karl Janiba seine »Ape«. Springt an, fährt. „Laut, extrem laut, da werde ich mir Ohrstöpsel besorgen“, ist einer der ersten Kommentare. Resümee: Um ca. 20.000 Euro werden heute fertige, neue (!) in Indien hergestellte Ape im Retro-Look verkauft, inklusive der Möglichkeit der individuellen Anpassung des Aufbaues. Verständlich, dass außer echten Oldtimerliebhabern kaum mehr jemand auf eine alte Ape zurückgreift und diese neu aufbaut. Der Kauf einer Neuen ist einfach wirtschaftlich gesehen sinnvoller.

Bei Karl Janiba stellen sich jedoch mittlerweile Zufriedenheit und Freude ein. Bei einem, der auf Perfektion aus ist, bei fast allem, was er angreift. Eine »Biene« wurde gerettet. Ein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen. Und eines ist jetzt schon sicher: Die Herzen werden ihr zufliegen, der fleißigen »Biene«.

Webtipp: www.forum.piaggioape.de